Oiso i find jo…
Wahrhaftigkeit gilt als unbequem.
Als zu direkt.
Als etwas, das man „feiner verpacken“ sollte.
Dabei ist Wahrhaftigkeit nicht hart.
Sie ist nur nicht manipulativ.
Wahrhaftigkeit sagt nichts Unnötiges.
Aber sie sagt auch nichts Falsches.
Und genau das macht sie schwierig.
Wahrhaftigkeit eckt nicht an,
weil sie verletzt.
Sie eckt an,
weil sie keine Rollen bedient.
Sie bestätigt keine Erwartungen.
Sie hält keine Bilder aufrecht.
Und sie macht dort keine Zugeständnisse,
wo Klarheit gefragt ist.
Nicht laut.
Nicht aggressiv.
Einfach ehrlich.
Viele Menschen verwechseln Wahrhaftigkeit
mit Angriff.
Dabei ist es oft genau umgekehrt.
Wahrhaftigkeit greift nicht an.
Sie hört nur auf,
sich anzupassen.
Und Anpassung
ist fĂĽr viele das,
was sie als Harmonie kennen.
Wenn jemand wahrhaftig ist,
fällt etwas weg: die Möglichkeit,
sich hinter Andeutungen zu verstecken.
Die Möglichkeit,
zwischen den Zeilen zu bleiben.
Wahrhaftigkeit zwingt niemanden.
Aber sie lässt keine Ausreden stehen.
Und das kann verunsichern.
Nicht, weil Wahrhaftigkeit falsch ist.
Sondern weil sie Verantwortung sichtbar macht.
Sie legt offen,
wo jemand selbst entscheiden mĂĽsste.
Wo Grenzen klarer werden.
Wo Erwartungen nicht mehr automatisch erfĂĽllt werden.
Das ist kein Angriff.
Das ist Orientierung.
Wahrhaftigkeit will nicht gefallen.
Sondern stimmig sein.
Und manchmal reicht das schon,
um anzuecken.
Nicht, weil du zu viel bist.
Sondern weil du aufhörst,
weniger zu sein.
Elisabeth Dittlbacher
Mondseehexe-Lisi
www.mondseehexe.at


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