Oiso i find jo…
Manche Menschen fragen alles.
Nur nicht dort, wo die Antwort liegt.
Sie drehen ein Gänseblümchen.
Ziehen Karten.
Lesen Zeichen.
Holen Meinungen ein.
Nicht aus Neugier.
Sondern aus Ausweichbewegung.
Denn die betreffende Person zu fragen
wĂĽrde etwas verlangen,
das kein Orakel ersetzt:
❤️Position.
Eine direkte Frage riskiert eine direkte Antwort.
Ein Ja.
Oder ein Nein.
Beides ist verbindlich.
Wer Umwege wählt,
hält sich die Möglichkeit offen,
nichts entscheiden zu mĂĽssen.
Nicht zu bleiben.
Nicht zu gehen.
Nicht zu reagieren.
Das Gänseblümchen antwortet nie widersprüchlich.
Es stellt keine Gegenfrage.
Es fordert nichts zurĂĽck.
Es ist sicher.
Aber es ist auch folgenlos.
Die Wahrheit ist nicht schwer zugänglich.
Sie ist unbequem.
Denn sie entsteht im Kontakt.
Nicht im Dazwischen.
Wer wissen will, ob er geliebt wird,
muss bereit sein,
mit der Antwort zu leben.
Alles andere ist Beschäftigung.
Keine Klärung.
Der gleiche Mechanismus – nur größer
Das zeigt sich nicht nur in Beziehungen.
Viele Menschen fragen lieber andere,
anstatt die Person,
die tatsächlich gemeint ist.
Sie sammeln Einschätzungen.
Deutungen.
RĂĽckmeldungen.
Nicht, um Klarheit zu gewinnen.
Sondern um Verantwortung zu verteilen
Denn wer zehn Meinungen hat,
muss keine Entscheidung treffen.
Direkte Fragen sind eindeutig.
Und Eindeutigkeit verlangt Haltung.
Deshalb wird oft verglichen,
beraten, eingeordnet –
statt gesprochen.
Nicht, weil es klĂĽger ist.
Sondern weil es sicherer scheint.
Doch Klarheit entsteht nicht durch Mehrheit.
Sondern durch Kontakt.
Und der beginnt dort,
wo du die Person ansprichst,
die tatsächlich gemeint ist.
Alles andere bleibt
ein Gespräch über Abwesende.
Elisabeth Dittlbacher
Mondseehexe-Lisi
www.mondseehexe.at


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