Oiso I find jo..
Der wirksamste Käfig
ist der,
den man nicht als solchen erkennt.
Nicht Gitter halten fest.
Nicht Mauern.
Sondern Gewöhnung.
Man gewöhnt sich daran,
Dinge nicht auszusprechen.
Fragen nicht zu stellen.
Gefühle zu relativieren.
Grenzen zu verschieben.
Nicht, weil man schwach ist.
Sondern weil Anpassung Sicherheit verspricht.
Solange ein System funktioniert,
stellt niemand es infrage.
Auch dann nicht,
wenn es innerlich längst eng geworden ist.
Man nennt es Loyalität.
Rücksicht.
Vernunft.
Doch oft ist es nichts anderes
als ein still akzeptiertes Gefängnis.
Das Gefährliche daran:
Es fühlt sich normal an.
Man weiß nicht mehr,
wie Freiheit sich anfühlt,
weil man sie nicht vermisst.
Erst wenn etwas ins Wanken gerät,
wenn Spannung entsteht,
wenn innere Unruhe lauter wird,
zeigt sich,
dass der Raum nie frei war.
Nicht jedes Gefängnis wurde gebaut.
Manche wurden übernommen.
Und der Moment,
in dem du beginnst zu merken,
dass du festgehalten wirst,
ist nicht das Ende.
Er ist der Anfang von Wahrnehmung.
Denn wer erkennt,
dass er sitzt,
kann sich bewegen.
Nicht sofort.
Nicht spektakulär.
Aber ehrlich.
Und das reicht,
um die Tür zu sehen.
Elisabeth Dittlbacher
Mondseehexe-Lisi
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